Aktuelles

Kehre um!

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Vorbereitungs- zeit für das Osterfest. Im Ostergeheimnis wird deutlich, dass Licht über die Dunkelheit siegt, Liebe den Hass überwindet und Leben stärker ist als der Tod. Deshalb geht es in der Zeit der Vorbereitung nicht einfach um ein Fasten im Sinne eines Verzichtes um des Verzichtes Willen. Vielmehr wollen wir innehalten und üben was das heißt, ein Licht, das erhellt und erwärmt, eine Liebe, die trägt und ein Leben, das immer mehr Verlebendigung ist. Wir üben neu und erfahren selbst und teilen mit Menschen die Erfahrung aus welcher Kraft wir leben dürfen, welche Hoffnung uns aus unserem christlichen Glauben erwächst, welche Viel- falt und Freiheit im Katholischen steckt. Die liturgischen Feiern in unseren Kirchen wollen uns aufatmen lassen, wir dürfen verschnaufen und tiefer zu unserer Mitte finden, die nichts Theoretisches oder Abstraktes ist sondern eine Person: Jesus von Nazareth, den wir als Christus glauben, unseren Retter und Erlöser, der unser menschliches Schicksal teilt.

So gestärkt begegnen wir in der Welt von heute unse- ren Mitmenschen, den vertrauten und den fremden, in der Haltung, dass wir alle Kinder des einen Gottes sind. Im Zeichen des Aschermittwochs wissen wir uns und unsere Welt in unserer Vergänglichkeit, geborgen in der Unvergänglichkeit des ewigen Gottes und wollen so in der Feier der 40 Tage neu üben was das heißt: „Kehre um und glaube an das Evangelium“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine geseg- nete Zeit. 

Bilder vom Pfarrfasching 2017

Katholisch kann auch sehr lustig sein! So etwa beim inzwischen legendären Pfarrfasching am Samstag, 11. Februar. Mehr als hundert Besucher hatten sich nach Märchenmotiven kostümiert, darunter fast zwanzig Zwerge, fünf Prinzessinnen und vier Magier. Die besten Fotos vom Fasching hat Fotograf Jimmy Dolle in die Bildergalerie gestellt.

Festgottesdienst zu Maria Lichtmess am 2. Februar

Am 2. Februar begeht die katholische Kirche 40 Tage nach Weihnachten das Fest "Darstellung des Herrn" oder auch "Maria Lichtmess". Der Pfarrverband feiert einen Festgottesdienst um 19,00 Uhr in St. Ursula mit Kerzenweihe, Lichterprozession und Erteilung des Blasius-Segens. An diesem Tag leuchten zum letzten Mal die Christbäume.

Die Tradition von Maria Lichtmess geht auf einen biblischen Ursprung zurück: Im Alten Testament galt eine Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein und musste sich im Tempel einem Reinigungsritual mit Opfergaben unterziehen. Außerdem galt der erstgeborene Sohn als Eigentum Gottes und musste mit einem Opfer ausgelöst werden.

Dementsprechend brachten nach dem Lukasevangelium (Lk 2,22-23) auch Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn Jesus in den Tempel, wo er von Simeon und Hanna als Erlöser erkannt wurde: "Licht, das den Heiden leuchtete", rief Simeon, weshalb bei dem im 4. Jahrhundert in Jerusalem entstandenen Fest wie im gesamten Weihnachtsfestkreis die Lichtsymbolik eine besondere Rolle spielt. Mit dieser Symbolik wird die neue Hoffnung, die durch den Gottessohn in die Welt gekommen ist, versinnbildlicht.

Auf dem Foto zu sehen ist die aktuelle Darstellung in der Krippe von St. Ursula.

Mehr erfahren zum Fest Maria Lichtmess

Die Zeit hat unser Herz pervertiert

„Die Zeit hat unser Herz pervertiert“ - Lesung ausgewählter Texte von Stefan Zweig, anlässlich des Internationalen Holocaust Gedenktages. Zu dieser Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern laden wir am Freitag, 27. Januar um 19.30 Uhr in den Pfarrsaal von St. Ursula (Kaiserplatz 13a).

Am 27. Januar begehen wir den vom kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog eingeführten Holocaust Gedenktag.
Wir sind in dieser Zeit besonders aufgerufen, wach und aufmerksam für die Grundüberzeugungen unserer freien demokratischen Gesellschaft einzutreten. Was wir in unserem Land aus dem Mund von Politikern hören, ist besorgniserregend. Die laute und stille Zustimmung, die diese Parolen erfahren, ist mehr als erschütternd. Deshalb bin ich dankbar, dass wir in unserem Pfarrverband ein deutliches Zeichen setzen. Unter der Schirmherrschaft von Frau Dr. h. c. Charlotte Knobloch, die ihr Kommen zugesagt hat, haben wir eine Lesung ausgewählter Texte aus dem Werk von Stefan Zweig (75. Todestag) unter dem Titel "Die Zeit hat unser Herz pervertiert."

 

Gregorij H. von Leïtis, Gründungsintendant von Elysium und Präsident von The Lahr von Leïtis Academy & Archive, arbeitet seit über 40 Jahren als Regisseur an diversen Theatern in Europa und den USA. 1985 erhielt er den New York Theatre Club Prize. Für seine Verdienste um die Förderung der Völkerverständigung mit den Mitteln der Kunst wurde ihm 2003 vom deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im April 2016 verlieh der österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer ihm das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 1983 gründete er in New York die Elysium Theater Company, aus der später die transatlantische Kulturaustauschorganisation Elysium – between two continents hervorging.

Michael Lahr, Elysiums Programmdirektor und Executive Director von The Lahr von Leïtis Academy & Archive, studierte Philosophie und Erwachsenenbildung an der Hochschule für Philosophie in München und an der Jesuiten-Universität Centre Sèvres in Paris. Er ist Herausgeber des Buches Der Erwin Piscator Preis und Co-Autor des Essay-Bandes Bilder des Menschen. Zuletzt erschien im Karl Jaspers-Jahrbuch 2016 sein Essay Theater ist alles und überall über Erwin Piscators Arbeit im New Yorker Exil. Als Programmdirektor von Elysium hat er zahlreiche Werke von Künstlern ausgegraben, die vom Nazi-Regime verfolgt wurden, und – oft als Erstaufführungen – in Europa und den USA präsentiert.

 

Elysium – between two continents

Künstlerischer Dialog, schöpferischer Austausch und Freundschaft zwischen Europa und den USA. Gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus mit den Mitteln der Kunst. Mehr auf www.elysiumbtc.org

 

The Lahr von Leïtis Academy & Archive

Kunst und Bildung ohne Grenzen.

Wissensvermittlung und Weiterbildung als effektive Werkzeuge im Kampf gegen Ignoranz, Diskriminierung und Haß. Die Jugend an die Schätze der Exilkunst heranführen, um aus dem Wissen der Geschichte eine lebenswerte und verantwortete Zukunft zu gestalten. Mehr auf www.lahrvonleitisacademy.eu

Sonntags-Tafel am 15.01.

Haben Sie schon von der "Sonntagstafel" in St. Ursula gehört? Nein? Dann sollten Sie vielleicht am kommenden Sonntag, den 15.01. mal im Pfarrsaal vorbei schauen. Dieses mal wird die Rovergruppe des Pfadfinderstamms Pater Ruppert Mayer den Kochlöffel schwingen und ein herrliches Boeuf Bourguignon mit Beilagen und Salat und einer Nachspeise zaubern - alternativ gibt es auch ein vegetarisches Gericht. 

Die Sonntagstafel gibt es jeweils am zweiten Sonntag eines ungeraden Monats gibt es nach dem Gottesdienst. Hierzu haben dann im Pfarrsaal fleißige Hände Gerichte (Fleisch, Vegetarisches) gekocht, Tische gedeckt und Getränke bereitgestellt. Nach einem Begrüssungstrunk wird ab ca. 11.30 Uhr das Essen serviert. Zum Abschluss gibt es Kaffee mit etwas Süßem. Die verschiedenen Gruppen von St. Ursula organisieren abwechselnd diese Sonntagstafeln.

Eine formlose Anmeldung vor Freitag Mittag im Pfarrbüro per Mail (an st-ursula.muenchen@ebmuc.de) oder durch eine kurze Nachricht auf dem AB erleichtert uns die Planung sehr.

Ein Stern ist aufgegangen

Wir kennen sie und kennen sie doch nicht, jene geheimnisvollen Männer, die eines Tages aus dem Dunkel der Geschichte auftauchen und in ein helles Licht geraten.

Das Licht sei von einem Stern ausgegangen, so erzählen sie, ein Stern heller und leuchtender als alle anderen. Sie konnten ihn nicht übersehen, diesen himmlischen Hinweis auf ein außerordentliches Geschehen. Der Stern nimmt sie gleichsam an der Hand und zieht sie heraus aus ihrem Land in eine unbekannte Zukunft.

Wie ist das mit uns? Haben wir einen Stern, der uns führt? Haben wir jemanden, der uns an der Hand nimmt, dem wir uns so anvertrauen können, dass wir ganz sicher sind: mir kann nichts Schlimmes geschehen? Oder können wir selbst jemand sein, der den Weg kennt und andere führt? Jedenfalls suchen heute ungezählte Menschen nach einem zuverlässigen Licht, das die dunklen Wege ihres Lebens erhellt.

Seit einigen Tagen hat ein neues Jahr begonnen. Wir alle erfahren, dass wir unterwegs sind wie diese Männer, die wir als die „Heiligen Drei Könige“ verehren. Sie haben damals gefunden, was Menschen zu allen Zeiten suchen: eine Antwort auf die Fragen des menschlichen Herzens. Was könnte ich uns allen Schöneres wünschen, als dass wir aufschauen zu einem Stern, der uns auf den letzten und endgültigen Sinn allen Lebens, auf Gott, hinweist, dass wir diesen Weg finden und auch gehen, der aller Angst und Unsicherheit ein Ende bereitet?

Ich wünsche unseren Gemeinden von St. Ursula und St. Sylvester jenes tiefe Vertrauen, mit dem die „Heiligen Drei Könige“ Gott gesucht und auch gefunden haben.

Siegbert Keiling, Pfr.i.R.

 

Maria Fellner für 30. Dienstjubiläum geehrt

03.01.2017 - Mehr als 27 Jahren war Maria Fellner Pfarrsekretärin in St. Sylvester, seit zweieinhalb Jahren ist sie Pfarrsekretärin in St. Ursula und leitet auch das Dekanatssekretariat. Im Rahmen des Festgottesdiesnsts zum Patrozinium am 31.12. hat sie Pfarrer David Theil geehrt und ihr herzlich für die lange, loyale und kompetente Mitarbeit gedankt. Die Besucher der Messe drückten ihre Dankbarkeit und Verbundenheit durch starken Applaus aus.

Im neu erschienenen Blickpunkt gibt es ein Interview mit beiden Pfarrsekretärinnen, in dem Maria Fellner von den besonderen Herausforderungen ihrer Tätigkeit und der Funktion für die Pfarrei spricht  - hier finden Sie es auf S. 28.

Maximilian Dittmann neuer Oberministrant in St. Sylvester


02.01.2017 - Maximilian Dittmann wurde am Sylvestertag im Rahmen des Festgottesdiensts zum Patrozinium als neuer Oberministrant von St. Sylvester eingeführt. Er übernimmt das Amt von Regina Holzer, die es zehn Jahre lang inne hatte und bereits an Weihnachten verabschiedet worden war.

Pfarrer David Theil wünschte Dittmann für das wichtige Amt alles Gute und Gottes Segen. Ein Interview mit dem neuen Oberministranten lesen Sie in Kürze auf dieser Seite. Regina Holzer hat bereits in der aktuellen Ausgabe des m Blickpunkts auf ihre Zeit als Oberministrantin zurückgeblickt. Hier ist das Gespräch zum Nachlesen auf S. 49.

Fotos von beiden Messen - am Heiligen Abend und am Patronatstag hat Peter Braun freundlicherweise für diese Website zur Verfügung gestellt.
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Die Christkindglocke

Warten ist zäh und bisweilen anstrengend. Deswegen wurde mir als Kind am Heiligen Abend oft vor Aufregung schlecht: Ich konnte es nicht erwarten, dass endlich die Christkindglocke läutet.

Es ist doch gut, dass sich im „normalen Leben“ Zeichen der Liebe schön verteilen: die kleinen Gaben und Entdeckungen, die uns helfen Mensch zu werden und Mensch zu bleiben. Die Christkindglocke meiner Kindertage habe ich noch immer. In meinem Herzen läutet sie bisweilen irgenwann in meiner Zeit, überrascht mich mit Weihnachten, wenn ich es nicht erwarte.

„Wir könnten Menschen sein, einst waren wir schon Kinder.“ (Max Frisch)

Ganz sicher läutet meine Christkindglocke am Heiligen Abend zur Bescherung.

Ich hoffe, mir ist dann nicht wieder schlecht.

Thomas Schwaiger

O Emmanuel

O Emmanuel, Gott mit uns, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: Komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!

Die letzte O-Antiphon fasst noch einmal zusammen, was in den vergangenen Tagen besungen wurde. Alles hat sich gesteigert und drängt hin auf den morgigen Tag: Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt, und morgen sollt ihr seine Herrlichkeit schauen. O Emmanuel – Du, der du mit uns bist, der du mit uns warst, der du kommst. Das ist ein Glaubensbekenntnis, nicht eine neutrale Aussage über Gott. Emmanuel, das ist ein Na-me ganz großen Vertrauens. Dieser Gott ist unsere einzige Hoffnung in allen Hoffnungs-losigkeiten unserer Tage. Er ist der Heiland, der uns Heilung bringt. Ihn dürfen wir an-rufen: Komm, schaffe uns Hilfe! Schaffe uns neu, schaffe die Welt neu. Schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der kein Leid mehr sein wird, kein Schmerz und keine Tränen.

O Rex Gentium

O Rex Gentium, o König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!

Wir tun uns heute schwer mit der Vorstellung des Königtums Christi. Zu schnell verbinden wir sie in einem Jahrhundert der Diktatoren mit Gewaltherrschaft, Macht und Ohnmacht. Für Israel verknüpft sich mit dem Bild des Königs anderes: Der König ist der Diener des Bundesgottes, der mit der Wahrung der Gottesordnung Beauftragte. Nicht Feldherrentalent oder staatsmännische Begabung, auch nicht innerpolitische Machtbe-fugnisse schaffen den König, sondern sein persönlicher Ausweis als der mit göttlicher Kraft Erfüllte.

Christus ist der König, das heißt: er ist der von Gott eingesetzte Lenker der Völker, der Friedensfürst. Auf ihn setzen die Menschen ihre Hoffnung, auf ihn richtet sich ihre Sehnsucht durch die Jahrtausende. Er ist der Schlussstein, der den ganzen Bau zusammenhält. Aber er ist auch der Stein des Anstoßes. Die Begegnung mit Christus stellt in die Entscheidung. Es geht um nichts Geringeres als um Gewinn oder Verlust des Lebens. Darum schließt sich die flehentliche Bitte an: Komm, rette deine Geschöpfe, errette, was du selbst gemacht hast.

Das heißt doch auch: Gott weiß sich für uns verantwortlich. Wir dürfen uns darauf berufen, seine Geschöpfe zu sein – in aller Hinfälligkeit. Er kann uns wieder heil machen. Heil sein bedeutet: Gott ganz zugewandt sein und zur gleichen Zeit in sich ruhend. Ganz Auge und Ohr auf Gott hin sein und zu-gleich in sich gesammelt. Unsere Identität besteht im Anschauen Gottes, dazu sind wir geschaffen, darin finden wir Erfüllung.

Das ist Advent.
Maranatha – komm!
Amen, ja komm, Herr Jesus!

Neuer Blickpunkt erschienen

Rechtzeitig vor Weihnachten ist der neuen Blickpunkt fertig geworden, das Magazin des Pfarrverbands Altschwabing. Das Heft hat 68 Seiten und wird noch vor den Feiertagen in den beiden Kirchen ausgelegt.

Der Blickpunkt ist journalistisch gemacht und umfasst auch dieses Mal ein weites Spektrum von Themen, die die Menschen in Schwabing ansprechen. Dafür hat das Heft 2016 den Sonderpreis des Erzbischöflichen Ordinariats beim Pfarrbriefwettbewerb erhalten. Über Kritik, Lob und Anregungen für weitere Ausgaben freut sich die Redaktion um Chefredakteur Gerd Henghuber.

Kontakt: redaktion@altschwabing-katholisch.de

Hier gibt des den Blickpunkt als Download.

O Oriens

O Oriens, o Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: Komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

„Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finster-nis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jes 9,1). Drei Bilder umschreiben das aufstrahlende Licht. Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, Sonne der Gerechtigkeit. Der Mor-genstern ist Symbol der Hoffnung: klar und funkelnd geht er auf, durchbricht das Dunkel der Nacht und kündet die aufgehende Sonne an, Weihnachten, den Morgen Christi. Von ihm geht Glanz aus, strahlendes Licht, Helligkeit, ganz rein, ohne jede Versehrtheit. Der Morgenstern wächst an zur strahlenden Sonne, immer heller leuchtet der Tag: Leben, Licht, Wärme, Freude, das ist Christus für die Welt des Glaubens. Er ist das Licht, das neue Verhältnisse schafft. Er allein kann uns retten aus den Schatten des Todes, aus Er-fahrungen der Grenze, des Scheiterns, des Älterwerdens, der Todesahnung, der Sorgen und Nöte. In diesen Erfahrungen der Dunkelheit fordert uns die Adventsbotschaft he-raus: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!“ (Jes 60,1)

O Clavis David

O Clavis David, o Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes!

Schlüssel, ein Zeichen der Verfügungsgewalt. Wer den Schlüssel besitzt, kann Eintritt gewähren oder verwehren. Wer den Schlüssel besitzt, der trägt die Verantwortung. Wem das Zepter verliehen wurde, dem ist alle Macht gegeben. „Komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes.“ – Dies ist die erschütterndste Adventsbitte. Es geht um die Existenzfrage unseres Lebens. Jeder kann sich in dieser Bitte wiederfinden. Auch wir sind im Kerker der Finsternis, in der Nacht unserer Seele. Für jeden Menschen gibt es Zeiten, in denen er durch das Dunkel wie durch einen Tunnel gehen muss. Wir kennen die Fragen, die kein Mensch uns beantworten kann, die Zweifel, die an unserem Herzen nagen, die innere Zerrissenheit, die Einsamkeit und die quälende Suche nach dem Willen Gottes für uns. Aus solcher Not erwächst der Schrei: Öffne, mein Gott, den Kerker meines Herzens und reiß mich aus der Finsternis! Du, Herr, kannst es, du kannst meine Verschlossenheit aufbrechen, meine Stummheit lösen, du kannst mir die Angst nehmen und meine Finsternis erhellen.

O Radix Jesse

O Radix Jesse, o Spross aus der Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht Länger.

Christus, der Wurzelstock – die Wurzel ist Symbol des Urgrunds, aus dem alles Sein und Wachsen hervorkommt. Das heißt glauben: verwurzelt sein in Ihm; hier findet der Mensch seine Identität. In Christus, dem Wurzelstock aus dem Urgrund Gottes. Wurzeln schlagen, das ist ein Lebensprogramm. Christus ist uns gesetzt zum Zeichen, er ist das Signal, das uns aufrütteln will aus unserer Schläfrigkeit. Advent fordert Entscheidung, ob wir uns dem Signal stellen wollen. Nicht aus eigener Kraft können wir uns entscheiden; wir müssen Gott bitten, dass er es in uns wirkt. Wir dürfen ihn geradezu „unverschämt“ bedrängen, in viermaligem Ruf: „Komm, errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.“ Die Sehnsucht nach ihm kennt keine Grenze. Gott will gebeten werden, Gott will mit unbändigem Glauben, mit einer unbändigen Hoffnung bedrängt werden. Mit solch unbändigem Vertrauen geben wir ihm die Ehre.

Gott an unserer Seite

„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben.“ (Jes 7,14) - ganz im Zeichen dieser Worte des Propheten Jesaja steht der 4. Adventssonntag. Die alten Verheißungen erfüllen sich: Gott wird Mensch im Kind von Betlehem. Eine Verheißung, die Leben, Hoffnung, Dankbarkeit und Freude mit sich bringt.

Was das heißt, wird im Namen deutlich: Immanuel – Gott mit uns. Dieser Name ist Programm, ist ein Versprechen. Das Kind, das geboren wird, ist ein Hoffnungszeichen. In diesem Kind kommt uns Gott nahe. Dieses Versprechen darf uns Mut machen: Wir sind nicht allein in der Welt und mit den Umbrüchen dieser Zeit. Auch wenn manchmal Vieles schwierig scheint und wir zu verzweifeln drohen und ratlos sind: Wir dürfen diesem “Gott mit uns“ gerade in diesen Momenten vertrauen.

Gott, der an Weihnachten in der Krippe Mensch wird, steht an unserer Seite. Er ist uns nahe. Er geht mit uns durchs Leben, durch alle Höhen und Tiefen. Auch in schwierigen Momenten, in denen es nicht immer leicht ist, wo Lösungen nicht einfach auf der Hand liegen, ist er der “Gott mit uns“.  Der Immanuel, der nicht gegen uns, sondern für uns ist.

Monika Roth

O Adonai

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel – im flammenden Dornbusch bist du Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: komm und befreie uns mit deinem starken Arm.

Adonai – der Gottesname war dem Volk Israel heilig: Gott war der Unaussprechliche. Gott, der ganz andere, zu dem vom Menschen her kein Zugang möglich ist, er hat sich uns offenbart als Herr des gesamten Kosmos, als Herr der Geschichte. Er führt uns durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Schmerzen und Verlassenheiten. Advent, Weihnach-ten, das bedeutet, dieser Gott, der die Herrschaft über Zeit und Geschichte hat, wird Mensch. O Adonai, Herr, mein Herr! Wo Gott erscheint, da brennt der Dornbusch, da ist Feuer und Brand. „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und was will ich anders, als dass es brenne.“ Wo Gott kommt, da kann sich ein Leben mit einem Schlag verändern, da setzt er neue Maßstäbe. Er bietet uns seinen Bund an, sagt Ja zu uns. Und so dürfen wir auch Ja sagen zu ihm. Er ist uns treu, und nie ist es für uns zu spät, in die Bundestreue zurückzukehren. Wenn wir es nicht können, so ist es doch er, der uns mit starkem Arm in die Freiheit der ersten Liebe zurückführt.

O Sapientia

O Sapientia , o Weisheit, hervorgegangen aus dem Mund des Höchsten – die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: Komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.

17. Dezember - Die Weisheit wird im Neuen Testament auf Christus übertragen. „Gott hat Christus für uns zur Weisheit gemacht, damit wir in ihm ihre Schätze finden“ (Kol 2,3). Von diesem Christus wird gesagt, er herrsche in Kraft und Milde. Ist das für uns nicht vielfach ein Gegensatz? Da ist einer, der sich durchsetzen kann, und da ist der andere in Milde. Bei Christus fällt beides zusammen. Er herrscht mit zarter Kraft und starker Milde. So ordnet er alles. Alles bekommt bei ihm Maß und Mitte. Maß heißt nicht Mittelmaß, sondern in der Mitte des Wesens ruhen. – „Komm!“, in diese Bitte mündet die Antiphon ein. Komm und offenbare Dich! Eine ganz große Bitte. Wo Gott sich offenbart, erkennen wir, wird uns Einsicht, Wissen des Herzens geschenkt.

Sieben mal "O"

Die Tage vom 17.–23. Dezember sind durch die sieben O-Antiphonen in der Vesper besonders herausgehoben. In ihnen wird Jesus Christus unter Bildworten und Titeln angerufen, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen werden. Die O-Antiphonen haben alle denselben Aufbau. Sie beginnen mit dem „O“, dem bewundernden Ausruf des Staunens über Gottes Heilstaten, die sich in besonderer Weise in Christus, unserem Erlöser, offenbart haben. Dann schließt sich ein messianischer Hoheitstitel aus dem Alten Testament an, der jeweils auf Jesus Christus hin gedeutet wird. Auf diese Hoheitstitel folgt eine Aussage über das, was der Herr tut oder wie er seine Herrschaft ausübt. In dem eindringlichen Ruf »Veni« – Komm! – drückt sich die Heilssehnsucht des Gottesvolkes bis heute aus. Es sind wunderbare Bilder, zum Teil Erinnerungen an das Wirken Gottes an seinem Volk Israel. Text und Melodie sind zu einer Einheit verschmolzen. Wer sich von dieser innigen Einheit erfassen lässt, wird etwas erfahren von der Sehnsucht, mit der diese Tage zum Weihnachtsfest hindrängen. Es geht um das Hören, Singen und Beten dessen, was Ziel unserer Sehnsucht ist.

Alle sieben Hoheitstitel umkreisen das Mysterium Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel! Gott kann man keinen gültigen Namen geben, sondern Gott ist der Name über alle Namen (Phil 2,9). Wir können ihn nicht benennen, uns seiner nicht bemächtigen, son-dern ihn nur mit vielen Bildern umschreiben. Gott lässt sich nicht erkennen, sondern nur erahnen. Er ist das „mysterium tremendum“, das „mysterium fascinosum“ unseres Lebens. Nur manchmal dürfen wir etwas von ihm erahnen. Gott ist nicht Statik, sondern unerhörte Dynamik. Er kommt in vielen Erscheinungsformen auf uns zu. Er ist immer der ganz andere. Wir können uns nur stammelnd und bewundernd diesem Mysterium nähern. Nur in dieser Haltung beginnen wir zu ahnen, was es heißen mag: Gott wird Mensch – et incarnatus est. Dieser Gott will mich, dieser Gott liebt mich – welch unbegreifliche Wahrheit.

(Quelle: Sr. Christiane Rath OSB, http://www.abtei-st-hildegard.de )

Freut euch! - Gaudete

"Freut euch" – lateinisch "Gaudete" – ist das Motto des dritten Adventsonntags. Am Adventkranz wird die rosafarbene Kerze angezündet. Die Freude auf das bevorstehende Weihnachtsfest soll ja die ganze Adventzeitbestimmen. Es ist zugleich die Freude auf die Geburt Jesu in Betlehem und seine Ankunft in den Herzen der Menschen. "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!", schreibt Paulus im Brief an die Philipper, und weiter: "Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe."

Mit dem Bibelvers "Freut euch" – lateinische "Gaudete" - wird der Gottesdienst am dritten Adventsonntag eröffnet. Wenn zu Beginn der Messfeier alle in einem festlichen Zug in die Kirche einziehen und der Priester zum Altar geht, singt die Gemeinde den Einzugsgesang, den Introitus, um sich auf die Feier einzustimmen.

Wichtige Sonntage werden nach den Anfangsworten des Introitus benannt: So heißt der vierte Fastensonntag "Laetare" und der dritte Adventsonntag "Gaudete".

Die rosa Kerze am Adventkranz

Drei violette Kerzen und eine rosafarbene Kerze – so sieht der sogenannte liturgische Adventkranz aus: Violett, die Farbe der Buße, ist die liturgische Farbe des Advents, denn die Vorbereitungszeit auf Weihnachten soll auch von Besinnung, Umkehr und Buße bestimmt sein. Am Sonntag Gaudete wird die rosafarbene Kerze angezündet auch die Messgewänder im Gottesdienst rosafarben. Damit wird die Freude zum Ausdruck gebracht, denn Rosa ist das aufgehellte Violett.

Historisch hat sich das wahrscheinlich so entwickelt: Rosafarbene Messgewänder waren am vierten Fastensonntag üblich und wurden dann auch für den dritten Adventsonntag übernommen. Daran angepasst hat sich die rosafarbene Kerze am Adventkranz.

(Quelle: https://www.erzdioezese-wien.at/gaudete )